Im Flieger nach Venedig prägten maßgeblich Pauschaltouristen das Bild, die bereits darauf warteten sich in der italienischen Lagunenstadt das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen und das beginnt bereits am Flughafen mit dem Busticket zum Bahnhof nach Mestre, was mit 8 EUR doch bereits jegliches Urlaubsfeeling verderben müsste. Für mich ging es weiter Richtung Norden nach Triest. Zwar kostete das Ticket für die zweistündige Fahrt nur 11 EUR, jedoch hätte ich für eine Klimaanlage am Bord gerne einige Euro mehr bezahlt. In Triest angekommen war ich heilfroh, als das 1312 Kennzeichen vorfuhr und mit den Überbleibseln Tim und Eric die 20 Kilometer nach Koper abgespult wurden. Danke nochmal für den Abholservice. Es gibt auch Busse, die relativ regelmäßig von Triest nach Koper verkehren, wenngleich ich Tim erzählt habe, dass es keine grenzübergreifenden Busfahrten gibt. Koper liegt an der slowenischen Adria, hat etwa 30.000 Einwohner und wirkt auf den ersten Blick für den Balkanliebhaber viel zu modern. Am kleinen Stadion herrschte bereits Stunden vor Anpfiff Chaos, da der Verein in der Woche zuvor bereits ausverkauft vermeldete, obwohl nur 130 Gästekarten verkauft wurden. Ich vermutete direkt nach der Auslosung, dass sich ziemlich viele Kroaten aus Slowenien mit Karten eindecken, um die reisewillige Anhängerschafft der Torcida zu versorgen, was sich letztendlich auch bewahrheiten sollte. Im Vereinsgebäude war ein riesiges Halligalli, weil etliche Heimfans bestimmt zum ersten Mal leer ausgegangen sind, während dank des Theaters gleich 3 Karten ergatterten, weil wir das Ticket für Kollegen Bernd Dreher direkt mit abholten. Im Stadion verteilten sich etliche Hajduk Fans auf den beiden überdachten Tribünen, wobei sich etwa 500 Leute zu einem Stimmungsblock formten und Pufferblock kurzerhand entfernten. Trotz der schnellen 2:0 Führung der Heimmannschaft und der anhaltenden Hitze, legte der Gästeblock einen richtig authentischen Balkanauftritt hin, der von kurzen lauten Schlachtrufen gepaart mit Dauergesängen häufig zum Mitwippen animierte. Irgendwie absolut nicht greifbar sich eine Gruppe anzuschauen, die im jahr 2020 ihren 70. Geburtstag feiert und selbst Menschen ein Begriff sein dürfte, die noch nie in ihrem Leben ein Fussballspiel gesehen. Sobald sich in Split auch nur der Hauch einer Krise andeutet, steht die Torcida mit helfenden Händen oder kritischer Stimme bereit. In der zweiten Halbzeit setzten wir uns an den Spielfeldrand gegenüber des Gästeblocks, der besonders nach dem 3:2 Anschlusstreffer nochmal richtig aufdrehte und dazu mit Pyro hantierte. Wirklich richtig starke Nummer und wohl eines der besseren Spiele, die ich in diesem Jahr besucht habe. Zufrieden rollten wir nach dem Spiel bereits in Richtung Österreich, da die Vignette bereits um Mitternacht ihre Gültigkeit verlieren sollte. In Slowenien hat man keine Kosten und Mühen geschaut auf der Autobahn elektronische Vignettenkontrollstellen zu errichten, was uns nach dem wir die Strafe recherchiert hatten (400-800 EUR) dazu veranlasste, die restlichen 50 Kilometer nach Mitternacht über die hiesigen Landstraßen abzuspulen. Geschlafen wurde natürlich stilecht im Zelt und statt orientierungslos einen geeignet Platz zu suchen, haben wir das Wildcamping auf Groundhoppingtouren professionalisiert, indem wir bei Europlan unterklassige Stadien suchen, die oft abgelegen bzw. geschützt liegen, um auf frisch gemähten Rasen oder einer weichen Hochsprungmatte den wichtigen Schlaf zu tanken.

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