Der Sonntag stand dann doch wieder im Zeichen des Fußballs und bereits zur Mittagszeit rollte die Mietwagen nach Larissa, um die Stadt, die knapp 160.000 Einwohner zählt unter die Lupe zu nehmen. Irgendwie gibt es hier überhaupt keine Sehenswürdigkeiten und die Fußgängerzone ist ziemlich versprengt und gleicht einem Labyrinth, jedoch konnten mich die vielen Ramschläden und urigen Buden auf ihre Art und Weise das griechische Flair transportieren.Nach einem gepflegten Bummel steuerten wir die neue Arena im Randbezirk Neapolis an, die dort als liebloser hässlicher Betonklotz aus dem Boden gestampft wurde, wohl damals in der Hoffnung sich vor voller Hütte gegen die namhafte Vereine Griechenlands zu messen, jedoch läuft es sportlich in nicht mehr so rund beim einmaligen Meister und nach dem Abstieg bis in die dritte Liga spielt man seit fast 5 Jahren nicht mehr in der höchsten Spielklasse und wagt in diesem Jahr einen neuen Angriff auf den Profifußball. Die örtliche Ultrasgruppe „Monsters“ gründete sich bereits 1982 und dürfte aufgrund der Freundschaft zu den Ultras Nürnberg einem Großteil der Leserschaft bekannt sein. Eine weitere Freundschaft pflegen die Jungs zum Gate 12 von Aigaleo aus Athen, dessen Verein wohl nur den älteren Nerds ein Begriff sein dürfte, da der Club 2007 zuletzt europäisch gespielt hat und aus finanziellen Gründen bis in die vierte Liga abstieg. Für Aufsehen sorgten die Fanatiker aus dem Athener Stadtteil zuletzt beim Spiel gegen AEK in der dritten Liga, als irgendjemand die glorreiche Idee,hatte bei diesem Spiel Gäste zuzulassen. Schaut euch die Videos an, ein riesiges Spektakel. Übrigens kann man hier von einem besonderen Bündnis sprechen, da solche Inlandsfanverbindungen in Griechenland nicht der Regelfall sind und wenn wir schon beim Thema Besonderheiten sind, sollte die Tatsache Erwähnung finden, dass es in Larissa keinen offiziellen Ablegerclub einer Ultragruppierung des Landes gibt. Als Beispiel dazu finden sich in einer Stadt wie Xanthi, die mal eben 100.000 Einwohner weniger hat, mehrere Clubs verschiedener Gruppen von Gate 4 –Original 21, wobei der Staat dort aktuell sämtliche Clubs verboten hat. Ein Vorgang, der sich nicht nur in Xanthi ereignete, sondern wie ein roter Faden quer durch Griechenland zu beobachten ist. Nach den Krawallen rund um das Athen Derby wurden die Gesetze verschärft bzw. gelockert, sodass es der Staatsmacht erleichtert wird, Ultras in ihrem Handeln einzuschränken. Jeder Ablegerclub einer Ultragruppierung muss z.B. jemanden aus der Gruppe bestimmen, der als Verantwortlicher für den Club gilt und sollte es einen Vorfall im direkten Zusammenhang mit dem Club geben, kann dieser verhaftet werden, auch wenn er zum Zeitpunkt des Vorfalls in den Flitterwochen auf Mauritius war. Wenn die Clubs keinen Verantwortlichen benennen droht die sofortige Schließung. Die aktuellste Maßnahme der Regierung ist die Einführung einer Fankarte, die eigentlich 2016 zwingend notwendig ist, um an Tickets zu gelangen, jedoch werden ab sofort Tickets für Profisportarten personalisiert und mit der Sozialversicherungsnummer als Identifizierungsmerkmal versehen, ehe zum Jahreswechsel eine Karte mit Foto ähnlich wie die Karta Kibica von Nöten sein soll. Wenn in Griechenland jemand einen Plan schmiedet, heißt das allerdings noch lange nicht, dass dieser auch umgesetzt wird, vor allem nicht zum geplanten Datum. Super 3 hat daraufhin mit mehreren Tausend Leuten die Basketballhalle beim Spiel gegen PAOK gestürmt, während AEK für einen kompletten Boykott der Fußball-und Basketballspiele entschieden hat.Wenn ihr diese Zeilen lest, wird sich die Situation längst verändert haben, weil in Griechenland einfach Chaos herrscht, egal in welcher Hinsicht. Einfach Chaos.Kommen wir zurück zum heutigen Spiel bzw. der Kartenbeschaffung, die mit 20 EUR für die Haupttribüne recht kostspielig ausfiel, jedoch mit bestem Blick auf die Monsters im Gate 1, die bereits weit vor Spielbeginn eine Party veranstalteten, die in einer astreinen Pyroeinlage zum Einlaufen der Mannschaften gipfelte. Danach spulte man ein sehr ordentliches Programm im typischen „Greek Style“ durch, was mich sehr faszinierte. Diese Leidenschaft und Intensität in den Gesängen sind Nonplusultra und übertragen sich definitiv auf die Spieler auf dem Rasen, die nach einem rüden Foulspiel kurzzeitig die Fäuste fliegen ließen, was den Trainer der Gäste auf die Palme brachte und daraufhin von der Haupttribüne mit einem Böller abgeworfen wurde. Nach kurzer Spielunterbrechung und Eskalation konnte es auf Rasen und Tribünen weitergehen, wobei in der Heimkurve bis auf einige Hänger wirklich 400 Leute durch die
Gegend hüpften und wild mit den Armen hämmerten. Wenn das ganze Stadion mitgezogen hat, erzielten die „Vissini“ eine utopische Lautstärke, die ich mehrmals grinsend zur Kenntnis nahm. Nach dem Seitenwechsel trafen die Hausherren zum verdienten1:0, was mit einer weiteren Pyroshow quittiert wurde und man munter das Programm bis zum Schlusspfiff durchzog. Geile Nummer, zumal es sicher schwierig ist, sich in der zweiten Liga immer wieder aufs Neue zu motivieren, wenn als Gegner elf Almöhis aus dem benachbarten Bergdorf auf dem Rasen stehen.

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